Mit der zunehmenden Nachfrage der Industrie und der Privatverbraucher
nach Öl und Ölprodukten zu Beginn unseres Jahrhunderts verstärkten sich
die Bemühungen deutscher Ölgesellschaften, die teuren Weltmarktpreise
dadurch zu umgehen ,dass sie in Deutschland selbst nach Öl suchten.
So kamen dann auch Ende der 20-er Jahre Geologen in unser Dorf, um
in der Gleidinger Feldmark nach dem begehrten Rohstoff zu suchen.
Herr Helmut Hahne, der damals 8-10 Jahre alt war, erinnert sich daran,
dass das Erscheinen dieser Leute im Dorf mit großem Interesse zur
Kenntnis genommen wurde. Er hat dem Suchtrupp oft bei der Arbeit zugesehen
und weiß zu berichten, dass die vermuteten Vorkommen noch mit der
Wünschelrute aufgespürt wurden.
Helmut Hahne berichtet, dass auch dem Flurstück " Welle ", das gegenüber
dem Schlachthof in Richtung auf den Campingplatz im Bockmerholz zu liegt,
etwa 200 m nördlich der Straße nach Oesselse ein Bohrturm stand.
Von dieser Plattform aus wurde unter Einspülung gebohrt. Der anfallende
Schlamm wurde in einem daneben angelegten Becken gesammelt, das etwa
10 m x 30 m maß. Die ausgehobenen Bohrkerne wurden fortlaufend nummeriert
und einmal wöchentlich von der geologischen Abteilung des Landesmuseums
abgeholt. Sie hatten einen Durchmesser von etwa 10 cm und waren zwischen
80 und 200 cm lang. Die Kerne waren aus blau-grauen schieferharten Ton
und sollen bis zur vollen Bohrtief von 600 bis 800 m sehr einheitlich
gewesen sein.
Eines Tages war das Bohrgestänge gebrochen und das Unternehmen wurde abgebrochen,
weil man ohnehin nicht glaubte, noch tiefer fündig zu werden. Der Traum vom
Ölsegen für Gleidingen war ausgeträumt.
Hahnes aber, auf deren Grundstück der Bohrturm gestanden hatte, hatten noch
viele Jahre später einiges Ungemach mit den Überresten des Schlammbeckens.
Obwohl der trockene Bohrschlamm von den Ölbesuchern weitgehend abgefahren
worden war, versackten die Ackerfahrzeuge regelmäßig, wenn versehentlich
diese Fläche überquert wurde.
Text aus 1000 Gleidingen
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