Am 1. August 1914 hatte der Krieg begonnen, Gleidinger Familienväter und
junge Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen.
In dem Protokollbuch der Gemeinde aus jenen Jahren zieht sich ein roter
Faden die Sorge um diejenigen, die im Kriegsdienst standen, aber auch um die
Frauen und Kinder, die am Ort geblieben waren. Denn die Verantwortung für
die Versorgung mit allem Lebensnotwendigem lag vollkommen in den Händen der
Gemeinde, Verwaltung und Gemeindeausschuss hatten zu planen und zu sorgen.
Zunächst bezogen die Familien der eingezogenen Männer die Unterstützung
direkt von der Gemeindekasse.
Auszug aus dem Protokoll vom 24. August 1914
Auf Antrag des Herrn M.S. wurde beschlossen, dass den Unterstützung bedürftigen
Angehörigen des im Felde stehende Krieges, pro Woche für die Frau 3.- Mrk.,
für jedes Kind 1.- Mrk. solange aus der Gemeindekasse zu zahlen sind,
bis die Monatsunterstützung des Staates eintritt.
Brennmaterialbeschaffung wird schon am 14.Oktober1914 im Protokollbuchals
vorrangig aufgeführt und die Beschaffung von Kohlen ,Koks, Briketts,
Brennholz, Torf und Schlammkohle beschäftigt die Verwaltung bis zum
Kriegsende durch alle Sitzungen hindurch.
Die Gemeinde war eben für alles da, sie zeichnete am 11.März 1915 nicht
nur 30.000.- Mrk. Kriegsanleihe (nicht die letzte), sie bemühte sich
gleichzeitig, Nahrungsmittel für die zu beschaffen, die keine Selbstversorger waren.
Aus einer wörtlich wiedergegebenen Beschlussfassung vom 3. März 1916 geht
hervor, dass gekauft werden sollte:
15 Faß Hammelfleisch a. 224 Pfd. gesalzen, pro Pfd. = 1,35 Mrk.
15 Faß Rindfleisch a. 300 Pfd. gesalzen, pro Pfd. = 1,20 "
25 Kisten Kraftfleisch pro Kiste 12 Dosen a. Dose = 9,80 "
1000 Dosen Kraftbrühe = 0,68 "
15 Kisten Rindfleisch in Brühe a. Kiste 50 Dosen, a. 1 kg = 3,40 "
5 Zentner Schweinefl. in Brühe a. 1/2 kg = 2.00 "
200 Dosen Konserven Erbsen a. 1/2 kg = 0.47 "
100 Dosen Konserven Erbsen a. 1 kg. = 0,83 "
Eine Familie kann pro Woche 1/2 Pfd. Speck und 1/2 Pfd. Talg bekommen,
jedoch kann derjenige nur 1/2 Pfd. Speck bekommen, der 1/2 Pfd. Talg dazu nimmt.
Es wurde beschlossen ,für die russischen Arbeiter
(bei Herrn Berlin auf dem Rittergut) 15 Zentner Speck vom Kreis
zu kaufen. Bei den russischen Arbeitern soll die Verteilung wie folgt
vor sich gehen: Ein russ. Arbeiter erhält pro Woche 1/2 Pfd. Talg,
ein russ. Mädchen und ein minderjähriger Junge bekommt pro 14 Tage 1/2 Pfd.
Speck und 1/2 Pfd. Talg. Eine hiesige alleinstehende Frau soll pro 14
Tage 1/2 Pfd. Speck und 1/2 Pfd. Talg bekommen.
Im Juli 1916 wurden Lebensmittelkarten für die Gemeinde gedruckt.
Speck und Talg wurden teurer.
90 Familien wurde für August und September der Bezug von Speck
und Talg gestrichen.
Im Oktober wurde ein neuer Verteilungsplan aufgestellt.
Es erhielten pro Woche:
1 Person 250 Gramm Talg oder 250 Gramm Schmalz
2 Personen 100 Gramm Speck, 200 Gramm Talg, 200 Gramm Schmalz
3 Personen 100 " " , 300 " " , 250 " "
4 Personen 100 " " , 400 " " , 250 " "
5 Personen 150 " " , 500 " " , 250 " "
6 Personen 150 " " , 600 " " , 250 " "
7 Personen 150 " " , 700 " " , 250 " "
8 Personen 150 " " , 800 " " , 250 " "
Im Januar 1917 wurden 400 Zentner Steckrüben zum schnitzeln und dörren
nach Gandersheim geschafft und später als Dörrgemüse den Kaufleuten am
Ort zum Verkauf auf Lebensmittelkarten übergeben.
Im Februar 1918 beschloss der Ausschuss noch die Zeichnung einer
Kriegsanleihe von 20.000.- Mrk. Am 10. November 1918 war Waffenstillstand
und Kriegsende.
Im Verlauf des Krieges wurden über 200 Väter, Ehemänner und junge Männer
von ihren Familien getrennt. 49 kehrten nicht zurück. Ihre Namen stehen
auf dem am 1. Oktober 1925 errichteten Ehrendenkmal.
Text aus 1000 Gleidingen
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